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Biozide

Pressekonferenz: 17. Juni 2010

Vorsicht bei Insektenbekämpfungsmitteln
gegen Wespen- und Hornissennester

Jeden Frühsommer steigen bei der Feuerwehr die Anfragen um Wespen- oder Hornissennester im Bereich der Gebäude, etwa im Dachgebälk oder in Rollladenkästen zu entfernen. Häufig ist es unmöglich das Nest im Ganzen zu entfernen, deshalb werden Insektizide auf und in das Nest gesprüht um die Insekten unschädlich zu machen. Wirkstoffe dieser Sprühmittel sind meistens so genannte Pyrethroide, zu denen einerseits das natürliche Pyrethrum aber auch eine ganze Batterie von weiteren Pyrethroiden, wie Permethrin, Allethrin, Cyfluthrin oder Cypermethrin gehören. Als Wirkungsverstärker wird zudem häufig ein weiteres Gift zugesetzt, das Piperonylbutoxid.

Den Herstellern zufolge handelt es sich um natürliche Insektengifte, die nach wenigen Stunden oder Tagen abgebaut werden und somit keine Gefahr für Mensch und Haustier darstellen. So wird der Wirkstoff Pyrethrum in den Gebrauchsanweisungen als allgemein rasch zersetzlich beschrieben. Auch nach Anwendung von Permethrin, Allethrin, Cyfluthrin oder Cypermethrin wird davon ausgegangen, dass die Räume bereits nach wenigen Tagen nur noch geringe Belastungen aufweisen. In Wirklichkeit handelt es sich lediglich bei dem Wirkstoff Pyrethrum um ein natürliches Gift, das in den Chrysanthemenblüten vorhanden ist. Unter dem Einfluss von ultravioletten Strahlen des Sonnenlichts zersetzt sich das Pyrethrum relativ schnell (innerhalb von mehreren Tagen). Allerdings stimmt dies nicht mehr in Innenräumen, da hier die ultravioletten Strahlen der Sonne nicht hinkommen, so dass mit wesentlich längeren Abbauzeiten (mehrere Monate) zu rechnen ist.

Die übrigen Pyrethroide sind dem Pyrethrum zwar nachempfunden, werden jedoch gänzlich synthetisch hergestellt, so dass es sich hierbei entgegen den Aussagen mancher Hersteller nicht um natürliche Stoffe handelt. Im Unterschied zum Pyrethrum sind die Pyrethroide so verändert, dass sie stabil, persistent oder langlebig sind und demnach ihre biozide Wirkung über Jahre entfalten

Studien in der Praxis belegen, daß Pyrethrum in Innenräumen noch nach Monaten, synthetische Pyrethroide wie Permethrin und Allethrin noch nach Jahren in Wohnungen nachweisbar sind. Auch der Wirkungsverstärker Piperonylbutoxid trägt zu einer jahrelangen Belastung der Raumluft bei. Während Pyrethrum beispielsweise in der Aussenluft (durch die UV-Strahlen des Sonnenlichtes in zwei Tagen abgebaut wird, dauert es in der Regel in Innenräumen 73 Tage, also etwas mehr als zwei Monate. Synthetische Pyrethroide können in der Innenraumluft noch zwei bis vier Jahre nach dem Einsatz festgestellt werden.Permethrin darf laut europäischer Direktive 91/414 als Pestizid nicht mehr eingesetzt werden, das heißt dass der Wirkstoff im Aussenbereich beispielsweise in der Landwirtschaft verboten ist..

Gesundheitliche Auswirkungen von Pyrethrum, Permethrin und Piperonylbutoxid

Eine chronische Belastung durch Pyrethroide kann das Nervensystem schädigen. Symptome sind Juckreiz, Kribbeln der Gliedmaßen, Taubheitsgefühl, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Abgeschlagenheit, depressive Zustände oder eine Überempfindlichkeit der Atemwege. Außerdem kann der Hautkontakt mit Pyrethroiden zu allergischen Reaktionen führen. Durch den Wirkstoff Piperonylbutoxid wird die giftige Wirkung der Pyrethroide noch weiter verstärkt.

Betroffen sind in erster Linie die Feuerwehrleute, welche die Sprühmittel verwenden, aber auch die Bewohner insofern die Insektizide innerhalb des Gebäudes zum Einsatz kommen.

Permethrin wird von der Weltgesundheitsorganisation WHO beziehungsweise der Internationalen Agentur für Krebsforschung IARC als möglicherweise krebserregend eingestuft.

Fazit

Zum Entfernen des Wespen- oder Hornissennestes reicht eine einmalige, kurzfristige Insektenvernichtung völlig aus. Ein solcher Effekt wird durch das natürliche, abbaubare und sich nicht im menschlichen Körper anreichernde Pyrethrum erreicht. Langfristig wirksame Produkte wie Permethrin, Allethrin, Cypermethrin und andere synthetische Pyrethroide sind nicht nötig, zumal diese sich im menschlichen Körper anreichern und somit dem Menschen langfristig gesundheitliche Probleme bereiten können (immerhin handelt es sich um Nervengifte).

Demzufolge sollten bei Einsätzen zum Entfernen von Insektennestern generell auf Pyrethroid-haltige Mittel verzichtet werden und vornehmlich im Sinne eines präventiven Gesundheitsschutzes sowohl für die Feuerwehrleute beim Einsatz als auch für die Bewohner des betreffenden Gebäudes auf Pyrethrum-haltige Produkte zurückgegriffen werden.

Ralph Baden (Diplombiologe, Baubiologe)

Ref:
Abbau von Pyrethrum, Chlorpyrifos-ethyl und Piperonylbutoxid unter Innenraumbedingungen- Studie von Norbert Weis, Gerd Freudenthal, Ulrike Siemers (AGÖF 2004)
Lehrbuch der Toxikologie – Prof. Dr. Hans Marquardt – Abteilung für allgemeine Toxikologie der Universität Hamburg
Europäische Pestizid-Directive 91/414