Gesundheitliche Auswirkungen
Gesundheitliche Auswirkungen von Schimmelpilzen
Anfang Juni fand in Stuttgart die 6. Schimmelpilztagung des Berufsverbandes deutscher Baubiologen in Zusammenarbeit mit dem Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg unter dem Motto “Schimmelpilze in Innenräume: bewerten und sanieren” statt.
Unter den zahlreichen interessanten Vorträgen (unter anderem die Vorstellung eines Schimmelpilz-Leitfadens des Umweltbundesamtes) stach auch ein Vortrag mit dem Thema Medizinische Bewertung: umweltmedizinisch relevante Schimmelpilze in Gebäuden von Dr. Grüner des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg hervor.
Dr. Grüner zufolge können Schimmelpilze beim Menschen drei Typen von Gesundheitsstörungen hervorrufen: Allergien, toxische Wirkungen und Infektionen.
Allergien
Grundsätzlich sind alle Schimmelpilzarten geeignet Allergien hervorzurufen. Dabei handelt es sich vor allem um Typ I-Allergien bei denen IgE-Antikörper gebildet werden. Symptome sind Juckreiz, Bindehautrötung, allergischer Schnupfen, Quaddeln und Atemnot (Asthma bronchiale). Diese Symptome treten in der Regel innerhalb der ersten halben Stunde nach Exposition auf.
Typ III-Allergien auf Schimmelpilze (Bildung von IgG-Antikörpern) und Typ-IV-Allergien (Sensibilisierung von T-Lymphocyten) sind relativ selten. Die meist grippe-artigen Symptome (Fieber, Husten, Atemnot, Abgeschlagenheit, allergische Alveolitis) treten gewöhnlich erst vier bis acht Stunden nach der Exposition auf.
Zur Diagnose stehen dem Arzt in erster Linie der Pricktest, der Provokationstest sowie der RAST-Test zur Verfügung. Beim Pricktest wird ein Tropfen des Schimmelpilzextraktes mit einer feinen Nadel in die Haut eingebracht. Beim Provokationstest wird der Schimmelpilzextrakt als feines Aerosol versprüht und vom Patienten eingeatmet. Beim RAST-Test werden die spezifischen IgE-Antikörper gegenüber Schimmelpilzallergenen im Blut bestimmt.
Allerdings sind nicht sämtliche Schimmelpilzallergene oder –extrakte kommerziell verfügbar Immerhin gibt es etwa 200.000 Schimmelpilzarten wobei eine einzelne Art bis zu 30 Allergene aufweisen kann.
Solche Wirkungen können durch die Schimmelpilze selbst, durch Zerfallsprodukte ihrer Zellwand (Glucane) durch Ausgasungen der Schimmelpilze, sogenannte MVOC (microbial volatile organic compounds) oder durch Mykotoxine (Schimmelpilzgifte z.B. Aflatoxine) verursacht werden.
Toxische Wirkungen
Zu diesen Krankheitsbildern gehören das MMI- oder Mucous Membrane Irritation-Syndrom mit Symptomen wie Entzündungen von Haut- Bindehaut und Schleimhäuten oder aber das ODTS-Syndrom mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen zusammen mit Entzündungen der unteren Atemwege. Weitere Symptome sind Ausschlag, Juckreiz, Nasenbluten, Husten, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Probleme, Konzentrationsschwäche und Müdigkeit. Verschiedene Mykotoxine stehen darüber hinaus im Verdacht krebserzeugend zu sein.
Infektionen durch Schimmelpilze sind sehr selten und betreffen vor allem Personen mit lokaler oder allgemeiner Abwehrschwäche (HIV-Infizierte, transplantierte Personen oder Leute nach Chemo- oder Cortisontherapie). In diesem Fall siedeln sich die Schimmelpilze in den Atemwegen, den Nasennebenhöhlen, dem Gehörgang oder anderen Organen an. Ein Beispiel ist die invasive pulmonale Aspergillose.
Infektionen
Die beschriebenen Krankheitsbilder können teilweise bei relativ geringen Sporenkonzentrationen auftreten, wie zum Beispiel allergische Symptome bei Sensibilisierten oder toxische Wirkungen bei bestimmten Schimmelpilzarten (Stachybothrys chartarum). Andere Symptome treten erst bei sehr hohen Belastungskonzentrationen auf, die in Innenräumen nur äußerst selten zu finden sind.
Demnach sind dauerhafte Mehrbelastungen durch Innenraumquellen zu vermeiden. Darüber hinaus sollte das Auftreten von Beschwerden zu eingehender umweltmedizinischer und allergologischer Diagnostik und Beratung führen. Die Beurteilung einer Schimmelpilzbelastung muß sowohl die Gesamtkeimzahl als auch die Zusammensetzung der verschiedenen Arten berücksichtigen.
Ralph Baden
Diplombiologe, Baubiologe
