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Linoleumfußböden, ein wohngesunder Bodenbelag ?

In großen Zügen mag die Antwort positiv sein, allerdings beinhaltet Linoleum auch einige baubiologische Nachteile die sich durchaus als gesundheitliche Beeinträchtigung zumindest bei sensiblen Bewohnern herausstellen können.

Linoleum wurde Mitte des 19. Jahrhunderts als Bodenbelag entwickelt. Der Name setzt sich aus den lateinischen Bezeichnungen für Leinöl (linum und oleum) zusammen, das die Hauptkomponente des Linoleums ist.

Hauptbestandteile des Linoleums sind Leinöl (aus den Samen der Flachspflanze), Naturharze (meist aus Fichten), Holzmehl und Kork, Titandioxid und Farbstoffen. Das Leinöl wird unter dem Einfluss von Sauerstoff oxidativ polymerisiert. Die so gewonnene Paste wird auf einen Jutefaser-Rücken aufgewalzt und anschließend bei 70-80 Grad getrocknet.

Positive Eigenschaften

Linoleum hat gute schallhemmende und wärmeisolierende (fußwarm) Eigenschaften. Außerdem ist es mechanisch beanspruchbar (z.B. Stuhlrollen von Bürostühlen), verschleiß- und rutschfest. Linoleum ist ebenfalls sehr widerstandsfähig gegen über Fetten, Ölen und Teer. Linoleum ist von sich aus schwer entflammbar, so dass auf die Beigabe von brandhemmenden Mitteln verzichtet werden kann. Bodenbeläge aus Linoleum sind von Natur aus leicht fungizid und bakterizid, so dass Bakterien oder Schimmelpilze nicht so schnell auf Linoleumbelägen wachsen.

Schließlich sind Linoleumböden in der Regel auch preisgünstig.

Zu den baubiologischen Vorteilen zählen einerseits die antistatischen Eigenschaften (keine elektrostatische Aufladung) und andererseits das Fehlen von Schadstoff-haltigen Ausgangsstoffen, so dass im Prinzip kein Risiko einer Raumluftbelastung besteht. Allerdings zählen diese Eigenschaften nicht für alle Linoleumböden, da viele Linoleumbeläge mit einer Oberflächenversiegelung ausgerüstet sind.

Negative Eigenschaften

Frisch verlegter Linoleumboden entwickelt häufig zumindest vorübergehend einen relativ starken Eigengeruch, der von sensiblen Bewohnern als Geruchsbelästigung empfunden wird. Ursache dieses Geruchs sind meist verkürzte Lagerzeiten, weil der Trocknungsprozess den Herstellern zu langwierig und kostspielig ist. Dabei emittieren aus den Linoleumbelägen geringe Mengen an Aldehyden (Acrolein, Hexanal,…), die einerseits einen sehr intensiven Geruch bilden (typischer Linoleumgeruch) und andererseits ähnlich dem Formaldehyd Schleimhautreizungen und Allergien verursachen können. Auch die eingesetzten Naturharze (Kolophonium) können bei empfindlichen Personen allergische Symptome auslösen.
Aus diesem Grund werden die Linoleumböden häufig mit einer Oberflächenbeschichtung ausgerüstet , die die Poren schließt und so eine Ausdünstung von Geruchsstoffen unterbindet. Die baubiologischen Eigenschaften wie beispielsweise das antistatische Verhalten werden zerstört, der Bodenbelag kann sich elektrostatisch aufladen. Außerdem enthalten die Oberflächenbeschichtungen chemische Schadstoffe, die sie an die Raumluft abgeben können. Als Oberflächenbeschichtungen werden Polyacrylate und Polyurethane (Schleimhaut-reizende Isocyanate) eingesetzt. Häufig werden auch Flammschutzmittel auf Phosphorsäurester-Basis, vornehmlich TBEP beigefügt um eine glänzende Oberfläche zu erhalten. Diese Flammschutzmittel sind toxikologisch äußerst bedenklich und belasten die Raum- und somit die Atemluft nachweislich.

Ergebnisse einer Raumluftbelastung durch einen Linoleumfußboden samt Kleber in einem Verwaltungsgebäude in Brandenburg deren Mitarbeiter über Augenbrennen, Kopfschmerzen, Hustenreiz und trockene Haut klagten.
Quelle: Gesellschaft für Ökologische Bautechnik Berlin gföb

  Raumluft Richtwert Linoleum Kleber
Glykolether EGMP 33 g/m 9 g/m 214 g/kg 101000 g/kg
Aldehyde 172 g/m - 123410 g/kg 31496 g/kg
Hexanal 47 g/m 65 g/m 26600 g/kg 4000 g/kg
Benzaldehyd 16 g/m 10 g/m 1030 g/kg 738 g/kg

Der primäre Verursacher der Raumluftbelastung ist jeweils fett gedruckt.

Demzufolge war die Raumluftbelastung durch Aldehyde eindeutig auf den Linoleumbelag zurückzuführen, diejenige durch Glykolether auf den verwendeten Kleber.

Demzufolge sollten auf Oberflächenbeschichtungen bei Linoleumböden verzichtet werden. Außerdem sollte ein Belagmuster des ausgesuchten Linoleumbodens durch Laboranalysen auf Flammschutzmittel, insbesondere TBEP und auf Formaldehyd hin überprüft werden.

Problematisch erweisen sich ebenfalls Fertigböden aus Linoleum. Dabei handelt es sich um auf Hartfaserplatten aus Holz geklebte Linoleumbeläge. Aufgrund der verwendeten Kleber können solche Linoleum-Fertigböden einen erhöhten Gehalt an Formaldehyd
aufweisen und so zu einer Raumluftbelastung durch Formaldehyd beitragen.

Auch die Kleber mit denen der Linoleumboden an den Fußboden verklebt wird können zu Raumluftbelastungen beitragen.

Fazit

Linoleumböden bilden demnach eine preisgünstige Variante mit einer sehr großen Vielfalt an Farben, Mustern und Strukturen. Zumindest für empfindliche Personen können Linoleumbeläge jedoch aufgrund des typischen Geruches sowie der über lange Zeit währenden Ausdünstungen von Schadstoffen äußerst problematisch sein. Aus diesem Grund ist Linoleum aus baubiologischer Sicht nur beschränkt zu empfehlen. Vorsicht ist ebenfalls in Bezug auf eventuelle Zusatzchemikalien in Beschichtungen, tragende Unterschichten oder Kleber geboten.

Ralph Baden,
Diplombiologe, Baubiologe