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Schadstoffe am Arbeitsplatz-auch ein Kostenfaktor

Die von der ISIAQ (International Society of Indoor Air Quality and Climate) organisierte HB 2006 Konferenz gruppierte 600 Beiträge aus über 50 Ländern, was bestätigt, daß dieses Thema nicht ausschließlich „entwickelte“ Länder beschäftigt, sondern zunehmend immer mehr Länder und Gesellschaften.

Sehr interessante Zahlen präsentierte anläßlich der « Healthy Buildings Konferenz » in Lissabon im Juni 2006 die amerikanische Architektin, Professor Vivian Loftness des “Massachusetts Institute of Technology - USA” aus einer großen Studie des “Center for Building Performance and Diagnosis” innerhalb des “Carnegie Mellon University Center for Building Performance”

Der Referentin zufolge belaufen sich in den USA die Kosten durch Gebäude-bedingte Krankheiten für den Arbeitgeber auf 750 Dollar pro Jahr und pro Person. Dies entspricht einer Verminderung der Produktivität um 5%. Dabei handelt es sich lediglich um direkte Kosten, das heißt Kosten für Arztbehandlung und Medikamente. Hinzu kommen indirekte Kosten Produktivitätsminderung, Krankenschein, Arbeitszeitverlust, Karrierewechsel.

Hinzu kommen die Kosten durch Karrierewechsel, das heißt Arbeitgeber die aufgrund der Belastungen des Arbeitplatzes den Beruf wechseln. So werden in den USA inzwischen 20% Karrierewechsel innerhalb der Privatindustrie verzeichnet. Jeder Karrierewechsel dürfte den Arbeitgeber im Durchschnitt 25.875 US-Dollar kosten (Produktivitätseinbusse, Einstellen und anlernen eines neuen Arbeitnehmers, Verlust an Erfahrung).

Diese Unkosten übertreffen bei weitem die bei einer baubiologischer Renovierung anfallenden Kosten.

Demnach sollten bei Planung, Bau oder Renovierung von Gebäuden insbesondere den Parametern Lüftung , Raumklima (Ventilation, Raumluftfeuchte & -temperatur), Fenster & Beleuchtung, Baumaterialien & Möbel sowie der Gestaltung des Arbeitsplatzes Rechnung getragen werden. Folgende Zahlen aus zusammengetragenen internationalen Studien verdeutlichen die Schlußfolgerungen der Studie :

Lüftung

Mehr als zwölf Studien weisen auf den Vorzug einer natürlichen Lüftung (Fensterlüftung) gegenüber technischen Lüftungseinrichtungen in Gebäuden: Verminderung von Kopfschmerzen, Schleimhautreizungen, Schnupfen, Husten, Kreislaufproblemen und Sick Building Syndrom. Voraussetzung die Außenluft ist nicht extreme belastet (Industriezonen, Verkehrsadern) und der Außenlärm ist nicht zu hoch.

Dreizehn internationale Studien belegen eine individuelle Steigerung der Produktivität zwischen 1,7 und 11% durch eine adäquate Lüftungsstrategie ( über Frischluftzufuhr sowie Kontrolle der Raumluftfeuchte und –temperatur).

Natürliche Lüftung führt einer Studie von 1988 zufolge zu einer Reduzierung der Beschwerden über Kopfschmerzen (um 33%), Schnupfen (um 28%) sowie Kreislaufproblemen (um 31%). Dies entspricht einer Produktivitätssteigerung von 203 $/Jahr je Arbeitnehmer sowie einer Kosteneinsparung von 43 $/Jahr je Arbeitnehmer.

Diverse andere Studien belegen einen Rückgang des krankheitsbedingten Fehlens um 66-70% (englische Studie), beziehungsweise 57% (französische Studie) durch natürliche Belüftungsmaßnahmen.

Ventilation, Raumluftfeuchte & -temperatur

Durch adäquate Belüftungsmaßnahmen und –strategien können sieben internationalen Studien zufolge Atemwegskrank-heiten wie Asthma und Allergien um 10 bis 90% vermindert werden. Dreizehn weitere Studien belegen eine Steigerung der individuellen Produktivität um 1,7-11% durch Ventilationsmaßnahmen. Durch Kontrollmaßnahmen der Raumlufttem-peratur könnten Kopfschmerzen und Sick Building Syndrom deutlich gesenkt und die individuelle Produktivität um 0,2-7% gesteigert werden (14 Studien).

Fenster & Beleuchtung

Insbesondere Kopfschmerzen könnten durch diverse Maßnahmen im Bereich der Beleuchtung sehr effizient reduziert werden: durch einen Wechsel von einer direkten auf eine indirekte Beleuchtung konnte einer Studie zufolge ein Rückgang der Kopfschmerzen bei den Arbeitnehmern um 27% erreicht werden. Ein noch größerer Erfolg (74% weniger Kopfschmerzen) konnte einer weiteren Studie zufolge durch den Austausch von Leuchtstofflampen erreicht werden (magnetische Wechselfelder, PCB). Nicht weniger als zwölf verschiedene Studien zertifizierten eine Steigerung der individuellen Produktivität durch Beleuchtungsmaßnahmen in einer Größenordnung von 27-88%.

Eine kanadische Studie zeigte, daß die Krankenhausaufenthalte im Durchschnitt um 2,6 Tage zurückgingen, wenn die Krankenzimmer Fenster und somit Tageslicht hatten.

Eine italienische Studie betätigte eine Verkürzung der Aufenthaltszeit um 30% bei Patienten die ein Krankenzimmer im Ostteil der Klinik und somit Sonneneintrag am Morgen hatten.

Eine weitere Studie belegt um 20-26% bessere Testergebnisse bei Studenten, wenn die Klassenzimmer Fenster und somit Tageslicht haben.

Baumaterialien & Möbel

Die Auswertung von sechs verschiedenen Studien belegen den eindeutigen Zusammenhang zwischen Schleimhautreizungen, Allergien, Asthma oder Sick building Syndromen und Schadstoffbelastungen der Baumaterialien (toxische Substanzen beim Gebrauch oder im Falle eines Brandes, krebserregende Fasern oder Schimmelpilzwachstum).

Darüber hinaus konnten durch ergonomische Möbel und Gebrauchsutensilien die Anzahl muskulärer Beschwerden und Behandlungen um 48 bis 84% gesenkt werden (7 verschiedene Studien).

Gestaltung des Arbeitsplatzes

Durch größere Arbeitplätze oder Einzelbüros könnten verschiedenen Studien zufolge 35-40% der Schnupfen, und Hals- oder Nasenbeschwerden vermieden werden. Pflanzen am Arbeitsplatz führen einer US-Studie zufolge zu 21% weniger Sick Building Syndromen, was einer individuellen Produktivitätssteigerung von 2,2% entspricht. Generell werden weniger SBS-Fälle gezählt je näher der Arbeitsplatz an einem Fenster ist.

Bereich Anzahl Studien Symptome Linderungder Symptome Steigerung individ. Produktivität
Lüftung        
Ventilation 7 Atemwege, Allergien 10-90 1,7-11%
Raumlufttemperatur 14 Kopfschmerzen, SBS   0,2-7%
Beleuchtung 12 Kopfschmerzen 27-74% 27-88%
Schadstoffe/Materialien 8 Atemwege, SBS 14-85%  
Ergonomie/Möbel 7 Muskuläre Beschwerden 48-84%  
Arbeitsplatzgestaltung 3 Hals- & Nasenprobleme 35-40%  
Pflanzen/ Arbeitsplatz 1 SBS 21% 2,2%
insgesamt 10 Krankmeldungen 9-71% 3-18%

Fazit

Insgesamt wurden 16 internationale Studien über den Zusammenhang zwischen natürlicher Umgebung und verbesserter Gesundheit (Kopfschmerzen, Schnupfen, Sick Building Syndrom) identifiziert.

Zehn internationale Studien deuten auf einen Anstieg der Produktivität zwischen 3 und 18% sowie einer Verminderung der Krankmeldungen (9 bis 71%) bei Angestellten in Zusammenhang mit einem gesunden, natürlichen Arbeitumfeld hin.

Obwohl Gebäude-bedingte Krankheiten demnach nachgewiesenermaßen eine ökonomische Größe darstellen, Werden in den USA lediglich 0,42 der insgesamt 7 Milliarden $ des Forschungspostens für Umwelt der EPA (Environmental Protection Agency) für “die Umwelt innerhalb des Gebäudes” zur Verfügung gestellt.

Ralph Baden
Diplombiologe, Baubiologe